Die Doppellonge

Die Arbeit des Pferdes an der Doppellonge dient verschiedenen Zielen:

  • Verfeinerte Fortsetzung der einfachen Longenarbeit
  • Verstärkte Einwirkungsmöglichkeit durch eine "Außenlonge" bei schwierigen Pferden
  • Vorbereitung des Pferdes "am langen Zügel" zur "Handarbeit" für die höhere Schulung
  • Gewöhnung des Pferdes an das Geschirr für den Gebrauch zum Zugdienst am Wagen

Abgesehen von kleineren Abweichungen kann davon ausgegangen werden,
daß die Ausrüstung des Pferdes und die Handhabung der Doppellonge nach folgenden Kriterien durchgeführt wird:

  • Vor der Arbeit mit der Doppellonge sollte das Pferd an das Longieren mit der einfachen Longe gewöhnt sein.
  • Zur Arbeit an der Doppellonge wird das Pferd an den Vorderbeinen mit Bandagen, Gamaschen oder Streichkappen versehen.
Im übrigen kann bis auf die entbehrlichen Ausbindezügel die gleiche Ausrüstung wie vorher beschrieben benutzt werden. Zur Führung der doppelten Longe ist die Anbringung genügend großer Ringe mit etwa 5 - 10 cm Durchmesser am Longiergurt erforderlich.
Als zweckmäßig erweist sich für die Arbeit mit dem Reitpferd auch die Benutzung eines leichten Vordergeschirrs, wie es zur ersten Arbeit mit der Doppellonge beim Wagenpferd gebraucht wird. Hierbei liegt der Vorteil in der Longenführung, die durch Ringe am Halstell in Richtung Widerrist und erst dann zum Longiergurt in tieferer Lage am Leib des Pferdes verläuft.
Dadurch wirkt die Longe zunächst in die Richtung, die später die Hand des Reiters einnimmt, hat aber dann durch die tiefere Lage wieder den Vorteil, die Längsbiegung des Pferdes kontrollieren zu können.
Die Doppellonge sollte insgesamt etwa 22m lang sein. Zweckmäßig ist es, wenn sie aus einem Stück besteht, da so nicht die Gefahr besteht, daß eine Schnalle den Ausbilder während der Arbeit in der Hand stört. Weiterhin erleichtert es die Arbeit, wenn der vordere Teil der Longe etwa 3m aus rund genähtem Material besteht, welches leichter durch die Führungsringe am Halsteil und am Longiergurt gleitet.
Zwei miteinander verbundene einfache Longen können als Ersatz für die korrekte Doppellonge dienen. Allerdings muß dann immer die Störung durch die Verbindungsstelle in Kauf genommen werden.
Am Gebißstück der einfachen Trense werden die Longen mit Schnallen oder Karabinerhaken befestigt. Bei Benutzung eines Kappzaumes werden die Longen in die seitlichen Ringe auf dem Nasenteil befestigt.
Steht bei seltenem Gebrauch der Doppellonge kein Gurt- bzw. Vordergeschirr mit genügend großen Longenführungsringen zur Verfügung, empfiehlt sich das Festschnallen der Steigbügel in entsprechender Höhe am Sattelgurt, um die Longe durch diese zu führen. Auch wenn das Pferd schon Erfahrungen an der einfachen Longe gemacht hat, sollte beim ersten Anlegen der Doppellonge ein Gehilfe zur Verfügung stehen. Im weiteren Verlauf der Arbeit kann der Longenführer mit den beiden Longen der Peitsche und mit viel üben, alleine zurechtkommen.

Zunächst gilt es, das Pferd an die Berührung der Außenlonge an den Hinterbeinen zu gewöhnen. Zweckmäßigerweise kann dieses geschehen, wenn das Pferd zuvor an der gewohnten einfachen Longe einige Minuten gelöst wurde. Beim Anlegen der Doppellonge wird es von einem hinter der Innenlonge stehenden Gehilfen gehalten, während der Longenführer vorsichtig die Außenlonge über die. Kruppe an die Hinterschenkel des Pferdes legt und die Longe etwa eine Handbreit über den Sprunggelenkshöckern nach innen - in der Regel zur linken Seite - führt. Zeigt das Pferd keine Unruhe, kann der Gehilfe das Pferd auf die Zirkellinie führen und an der Innenlonge entlang zum Longenführer zurückkehren, um seinen Platz hinter diesem einzunehmen. Die Aufgabe des Gehilfen ist es, mit der Peitsche für die geregelte Vorwärtsbewegung des Pferdes zu sorgen. Der Longenführer hält die linke Longe (Innenlonge) wie gewohnt mit der linken Hand, während die Außenlonge zunächst mit der rechten Hand gehalten wird. Das herunterhängende Longenende wird über den kleinen Finger der rechten Hand gehängt.

Die Peitschenführung obliegt dem Gehilfen, bis sich das Pferd auch in der Bewegung an die Berührung durch die Außenlonge gewöhnt hat. Im späteren Verlauf der Arbeit sollte der Longenführer beide Longen und die Peitsche alleine handhaben, da nur so die Koordination der Hilfen gewährleistet ist.

Die Peitsche sollte inkl. Schlag mindestens 10m lang sein, da sonst auf der grossen Volte das Pferd nicht erreicht werden kann.

Empfehlenswert ist es, die Longen beim Arbeiten links herum so mit der linken Hand zu halten, daß die linke Longe (Innenlonge) zwischen dem Daumen und dem Wurzelgelenk des Zeigefingers über dem Handrücken liegt und die rechte Longe (Außenlonge) zwischen Mittel- und Ringfinger gehalten wird. Die rechte Hand ist dann sowohl in der Lage, durch Hineingreifen in die Longen die Einwirkung zu regulieren als auch ohne Störung des Pferdemaules die Peitsche sachgerecht zu benutzen.

Beim Longieren rechtsherum werden beide Longen mit der rechten Hand geführt, wobei die rechte (Innenlonge) zwischen Mittel- und Ringfinger gehalten wird und die linke (Außenlonge) über den Zeigefinger und den Handrücken verläuft. Die linke Hand führt die Peitsche und greift bei Bedarf in die Longen.

Die äußere Longe sollte sich immer kurz über dem Sprunggelenkshöcker befinden. Liegt sie tiefer, wird das Pferd durch die Beinbewegungen im Maul gestört und zum Schlagen mit den Hinterbeinen gereizt.

Bei der Anfangsgewöhnung oder beim Lösen kann das Ausschlagen des Pferdes gelegentlich vorkommen. Der Longenführer sollte dann ggf. mit Unterstützung eines Gehilfen für energisches Vorwärtsgehen sorgen. Gelingt es dem Pferd, stehen zu bleiben oder sich umzudrehen, kann es zu sehr schwierigen Situationen kommen, die nur mit Ruhe und oft durch erneutes Anführen zu meistern sind. Sensible Pferde erregen sich dabei stark, und weniger geübte Longenführer sollten überprüfen, ob die Arbeit mit der Doppellonge zweckmäßig ist, und ob nicht doch besser wieder an der einfachen Longe die Grundlage hergestellt werden kann. An dieser Stelle ist es jedoch wegen der Vielzahl der Möglichkeiten und individuellen Unterschiede nicht angebracht, einen für alle Fälle gültigen Rat zu geben.
Mit der Doppellonge wird im Prinzip wie mit der einfachen Longe gearbeitet. Je nach Ausbildungsziel steht die lösende oder die versammelnde Arbeit im Vordergrund. Der Vorteil der Doppellonge ist darin zu sehen, daß die mehr oder weniger starre Verbindung der Ausbindezügel zum Pferdemaul durch die direkte beidseitige Verbindung zwischen der Hand des Longenführers und dem Pferd weicher gestaltet werden kann. Der Longenführer ist weiterhin in der Lage, Stellung und Biegung durch Annehmen und Nachgeben im richtigen Moment zu beeinflussen.
Im Regelfall muß so gearbeitet werden, daß die Außenlonge immer die verwahrende Aufgabe übernimmt. Niemals darf diese Longe so stramm um das Hinterteil des Pferdes verlaufen, daß die Bewegung eingeengt und die Hinterhand nach innen gedrückt wird. Noch schlimmer ist allerdings, wenn das Pferd nach aussen gezogen wird!
Ein weiterer Vorteil der Doppellongenarbeit besteht darin, daß der Handwechsel gleitend, ohne Anhalten des Pferdes und umständliches Neuordnen der Ausbinder erfolgen kann. Der Longenführer ist in der Lage, mit entsprechend eingearbeitetem Pferd den Handwechsel mit der Doppellonge in allen 3 Gangarten vorzunehmen und so z.B. auch den fliegenden Galoppwechsel ausführen zu lassen.

Abhängig vom Ausbildungsstand des Pferdes und der Größe des zur Verfügung stehenden Platzes bestehen zwei Möglichkeiten zum Handwechsel:

  • Auf größerer Linie - "aus dem Zirkel wechseln"
  • Auf engerer gebogener Linie - "durch den Zirkel wechseln"

Zum Handwechsel "aus dem Zirkel" verläßt der Longenführer seinen Standpunkt in der Zirkelmitte, sobald das Pferd die Wechsellinie erreicht hat, und geht hinter dem Pferd zum Mittelpunkt des neuen Zirkels. Sehr wichtig ist in diesem Moment das genügende Verlängern der neuen Außenlonge und entsprechendes Annehmen der InnenIonge. Beide Longen sollten dazu immer in einer Hand vereinigt bleiben, um mit der freien Hand hantieren zu können.

Die jeweils freie Hand verlängert oder verkürzt die Longe. Es ist zweckmäßig, die Spitze der Peitsche nach hinten zu nehmen, solange diese nicht benötigt wird. Sie sollte aber nicht weggelegt werden, sondern stets griffbereit sein. Beim Longieren rechtsherum wird sie mit der linken Hand, linksherum in der rechten Hand gehalten. Das Wechseln der Longen von der linken in die rechte Hand bedarf einiger Obung.

Von besonderer Wichtigkeit ist es, daß die jeweils neue Aussenlonge ausreichend verlängert wird, um das Pferd nicht in der neuen Stellung zu behindern oder es in die falsch Richtung zu lenken.

Beim Handwechsel "durch den Zirkel" wird die Außenlonge verlängert und das Pferd dann durch Verkürzen der Innenlonge in den Zirkel hineingeführt. Der Longenführer tritt, die neue Außenlonge etwa 3m verlängernd und die neue Innenlonge entsprechend verkürzend, hinter das Pferd und lenkt es S-Bogen-förmig auf den Hufschlag des neuen Zirkels. Gleichzeitig werden die beiden Longen und die Peitsche entsprechend gewechselt.

Mit wachsender Erfahrung und gefestigterem Ausbildungsstand des Pferdes gewinnt die Einwirkung durch die Außenlonge mehr Bedeutung.

Kam es im Anfangsstadium darauf an, das Pferd an die Berührung durch die Longe an den Hinterbeinen zu gewöhnen und lediglich eine begrenzende Aufgabe zu erfüllen, wird sich, selbstverständlich immer unter Beachtung der erforderlichen treibenden Einwirkung, durch Stimme oder Peitsche die Anlehnung stabilisieren und festigen. Das Pferd soll durch Dehnung der äußeren Seite diese verstärkte Anlehnung suchen und somit die gewünschte relative Geraderichtung erreichen. Der Longenführer bedarf dazu eines ausgeprägten Gefühls in der Hand. Lediglich durch "Nachgeben" ist diese Anlehnung nicht zu erreichen. Es muß vielmehr durch halbe Paraden so lange ausgehalten werden, bis das Pferd diese Aufforderung von sich aus annimmt und durch Dehnen des Halses quittiert. Eigenart und Gebäude des Pferdes sowie das angestrebte Ausbildungsziel bestimmen die Dehnungstiefe des Halses, wobei immer das Dehnen des Halses nach vorwärts aus dem Rücken heraus - wichtiger ist als die "Tiefe".

Lektion: Die Volte wechseln mit anschliessendem Halt

Die Longen sollten vom Pferdemaul ausgehend in Richtung Widerrist verlaufen, so daß die Longenführung insgesamt nicht zu tief angebracht ist. Eine zu tiefe Haltung des Pferdekopfes verhindert das ausreichende Untertreten der Hinterbeine in Richtung Schwerpunkt. Die tiefste Haltung sollte etwa so sein, daß das Pferdemaul sich auf der Höhe der Linie zwischen Buggelenk/Ellenbogengelenk befindet. Bei der weiterführenden versammelnden Longenarbeit steht das Pferdemaul etwa auf der Linie zwischen Hüfthöcker/Hüftgelenk.

Die Arbeitstechnik mit der Doppellonge entspricht der mit der einfachen Longe. Gangart- und Gangmaßwechsel sowie häufige Hand-, Stellungs- und Biegungswechsel bilden das Arbeitspensum. Als Vorbereitung und Übergang zur versammelnden "Handarbeit" kann zur Beendigung der Doppellongenarbeit auf dem Zirkel auch auf die gerade Linie übergegangen werden. Der Longenführer, der in ausreichendem Sicherheitsabstand hinter dem Pferd hergehen sollte, rahmt dabei das Pferd mit den beiden Longen ein. Durch entsprechende Einwirkung, vorwiegend mit der Stimme oder mit einer Handarbeitsgerte, kann er die Tritte verkürzen und bei Bedarf auch wieder verlängern.

Weiterhin bietet sich durch seitliches Anlegen der Longe die stufenweise Ausführung von Schenkelweichen und im späteren Verlauf von Seitengängen an. Es ist zweckmäßig, hierbei zunächst die Begrenzung der Reitbahn oder des Reitplatzes zu nutzen. Wichtig ist, daß der Longenführer stets die Reaktionen des Pferdes beobachtet, selber genügend mitgeht und sich nicht an der Longe mitziehen läßt und mit feinem Gefühl in der Hand Gangmaß, Stellung und Biegung zuläßt.

Selbstverständlich können mit der Doppellonge die Pferde auch über Stangen und Hindernisse geführt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Longe nirgends hängen bleiben kann.

Die Doppellonge eignet sich auch hervorragend als Vorbereitung zur "Handarbeit am langen Zügel".

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