Freispringen
löst vielfältige Probleme

Locker in der Luft

Langeweile während der eintönigen Winterarbeit, Muskelaufbau von jungen Pferden, Lockerung fester Dressurpferde, Aufmerksamkeit erhöhen bei unachtsamen Springcracks die Liste an Problemen, bei denen Freispringen wäre Wunder bewirken kann, ist lang. Unbeeinflusst von Reiterhilfen muss das Pferd beim Freispringen eigene Entscheidungen bezüglich Tempo und Absprung treffen. Weder Reitergewicht noch Zügeleinwirkung beeinflussen es, der Vierbeiner muss sich mit den Sprüngen selbst auseinander setzen. Das schult nicht nur die Balance, auch Intelligenz des Pferdes, seine Fähigkeit, selbständig mit zu arbeiten, wird gefördert und deshalb besonders ausgeprägt.

So wird ein Pferd durch umsichtiges, seinen Veranlagungen entsprechendes Training in seine Aufgaben hineinwachsen, Vertrauen in sich selbst finden und gelassen neue Anforderungen anpacken. Auch Ausbilder und Besitzer können viel über das Vermögen und Verhalten des Pferdes erkennen. Die Korrektur von Springfehlern oder Problemen mit der Bascule die beim Springen gefragte Technik, bei der das Pferd den Rücken aufwölbt und rund springt können durch den Aufbau spezieller Reihen korrigiert werden. Auch beim Ausloten des Spring-Talents eines jungen Pferdes gibt das Freispringen wertvolle Anhaltspunkte. Die Jungpferde werden immer erst in der freien Arbeit an die Hindernisse herangeführt. Das schult ihr Auge und zeigt deutlich, wie sie sich später unter dem Sattel verhalten werden. Woran erkennt man ein gutes Springpferd? Mutig, aber nicht hektisch, den passenden Absprung findend, sich dabei nicht überspringend. Reisst das Pferd dauernd, hat es kein Talent oder ein schlechtes Auge.

Beim Freispringen selbst sollten grundsätzlich mindestens zwei, besser drei oder vier Personen in der Halle sein. Sinnvoll sind angekündigte Freispring-Tage, an denen viele Pferde teilnehmen können. Die Sprünge werden in Form einer Reihe an der langen Seite aufgebaut, ein Baustellenband sorgt für die seitliche Begrenzung. Dieses wird an zwei Ständern etwa sechs Meter vor dem ersten und nach dem letzten Sprung befestigt, damit das Pferd in den Sprungkanal hineinläuft. Wegen der Unfallgefahr müssen Spiegel in der Halle immer verdeckt werden. Langsames Aufwärmen beugt Verletzungen an Sehnen und Bändern vor.
In Stallungen, die über eine Führmaschine verfügen, kann das Pferd darin bereits während des Aufbauen laufen, auch ein gemütlicher Ausritt oder lockeres Longieren können zum Aufwärmen dienen.

Mit Trense und ausgeschnallten Zügeln werden die Springneulinge am besten im Trab bis einige Meter vor den ersten Sprung herangeführt. Auch wenn die Reihen mit Trabstangen beginnen, sollten die Pferde immer bis kurz davor geführt werden, damit sie nicht im Galopp hinein stürmen. Ein durch die Trensenringe gezogener Strick ohne Haken kann zum Führen benutzt werden er wird einfach herausgezogen, wenn das Pferd Richtung Sprung zieht. Bei Bedarf unterstützt der erste Helfer dann von hinten mit der Peitsche. Der zweite kommt bei eventuellem Zögern in der Reihe zum Einsatz. Eine dritte Person holt das Pferd hinter dem letzten Sprung ab und belohnt es ! Die Reihen sollten so aufgebaut werden, dass die Pferde auch einmal von der rechten Hand springen. Immer nur links herum ist einseitig und auf Dauer ungesund für Rücken und Beine.

Die genauen Abmessungen sind variabel und richten sich nach Größe, Raumgriff und Gangmass des Pferdes.

  • Trabstangen: 1,20m bis 1,50
  • Taktstange aus dem Trab: 1,80m bis 2,50m vor dem Sprung
  • Taktstange aus dem Galopp: 2,80m bis 3,50m
  • In and Out: 3m bis 4m.
  • Ein Galoppsprung: 6m bis 8m
  • Zwei Galoppsprünge: 10m bis 11m
  • Drei Galoppsprünge: 13m bis 15m
Vor einem Oxer muss der Abstand immer etwas kleiner sein als vor Steilsprüngen, da die Flugkurve des Pferdes länger und flacher ist und es dadurch näher an den Oxer heran kommen muss.

Spezielle Probleme lösen: Wer nur Abwechlung ins Wintertraining bringen möchte, baut verschiedene Gymnastikreihen, die das Aufwölben des Rückens begünstigen, auf. Zur Behebung spezieller Problempunkte gibt es individuelle Lösungsvorschläge, die die einzelnen Körperpartien schulen und verbessern sollen:

Gymnastizierung des Rückens: Gerade für versammelte Lektionen müssen Dressurpferde locker im Rücken mitschwingen. Auch Freizeit- und Springpferden tut das Aufwölben des Rückens gut. Benötigt wird für diesen Zweck eine Springreihe mit relativ engen Abständen. Zu empfehlen sind außerdem kleine Oxer und Steilsprünge, die aus dem Trab genommen werden.
Beruhigung stürmischer Pferde: Bei Pferden, die gerne zu früh abspringen, kann mit Galoppstangen zwischen den Hindernissen die Größe der Galoppspünge kontrolliert werden. Außerdem empfiehlt es sich, die Abstände in der Reihe nach und nach zu verkürzen. Sprich: Von Sprung zu Sprung wird der Abstand etwas geringer. Das Pferd mehrmals durch die Reihe gehen lassen und die Abstände zum letzten Oxer von Mal zu Mal erneut verkürzen.
Zu hohes Springen: Springt das Pferd grundsätzlich zu hoch, sollte das Grundtempo erhöht und die Abstände zwischen den Hindernissen etwas vergrößert werden. Dadurch wird die Flugkurve flacher. Vorsicht: Ist das Tempo zu hoch, macht das Pferd möglicherweise Fehler oder winkelt die Beine nicht mehr sauber an.

Verbesserung des Rhythmus : Wenn das Pferd Angst hat oder unsicher ist, kommt es oft zu dicht an die Hindernisse heran oder macht in der Kombination sogar einen Galoppsprung zu viel. Um es zu unterstützen, sollten die Reihen relativ dicht gebaut werden, wobei sich die Abstände von Hindernis zu Hindernis vergrößern. Mit zunehmender Sicherheit kann der letzte Steilsprung immer etwas weiter entfernt werden. Auch zwei Stangen, die v-förmig auf das Hindernis weisen, können das Pferd zum Sprung hin kanalisieren. Wichtig: Die Helfer müssen immer für flüssiges Grundtempo sorgen.
Verbesserung der Technik: Auch hier wird durch recht eng stehende Reihen Abhilfe geschaffen. Auf einen weiten Oxer folgt ein hoher Steilsprung, der dafür sorgt, dass die Beine schnell und dicht angezogen werden müssen. Dabei wird gleichzeitig die Hinterhand gestärkt.
Hinterhand /Vorderbein aktivieren: Drückt sich das Pferd zu schwach ab oder winkelt es seine Vorderbeine zu langsam an, sollte eine Reihe mit drei bis vier kleineren In-Outs (Kreuze, Cavalettis, Steilsprünge) aufgebaut werden, die nur etwa 3,5m auseinander stehen. So wird das Pferd gezwungen, sich nach der Landung sofort kräftig abzudrücken und seine Vorderbeine schnell an den Körper zu ziehen.

Erhöhung der Aufmerksamkeit: Hier sind knifflige Aufgaben, die das Pferd zum Mitdenken und zu schnellen Reaktionen auffordern, die richtige Wahl. Eine gute Übung ist eine Reihe mit wechselnden Abständen, in der das Pferd aufpassen und sein Tempo mal zurücknehmen und dann wieder aufnehmen muss.

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